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Faire Klimabewertung: weg vom Auspuff, hin zum gesamten Lebenszyklus
Der Transportsektor ist der einzige Wirtschaftszweig der EU, in dem die Treibhausgasemissionen seit 1990 nicht zurückgegangen sind, trotz technologischer Fortschritte und politischer Bekenntnisse. Eine der zentralen Ursachen liegt in der Regulierungslogik selbst: Die EU-Flottenverordnung misst Klimawirkung ausschließlich am Auspuff. Was davor passiert, also Rohstoffgewinnung, Batterieproduktion, Materialkreisläufe, und was danach kommt (Recycling und Kreislaufwirtschaft) bleibt vollständig unberücksichtigt. Rund die Hälfte der tatsächlichen Lebenszyklusemissionen eines Elektrofahrzeugs entstehen dabei bereits vor dem ersten gefahrenen Kilometer.
Eine faire Klimabewertung muss deshalb den gesamten Lebenszyklus in den Blick nehmen. Und sie braucht den richtigen Begriff: Defossilierung, das Ziel ist der Ausstieg aus fossilen Primärenergieträgern, statt Dekarbonisierung. Nicht ob ein Kraftstoff Kohlenstoff enthält, entscheidet. Sondern ob er fossil ist. Dieser Unterschied bestimmt, welche Technologiepfade eine faire Klimapolitik zulässt und welche sie zu Unrecht ausschließt. Für Luftfahrt, Schifffahrt und Schwerlastverkehr sind klimaneutrale Kraftstoffe wie E-Fuels und Biokraftstoffe auf absehbare Zeit alternativlos.
CirculaTUM, das Mission Network der TUM, erarbeitet im Auftrag von TUM-Präsident Prof. Dr. Thomas F. Hofmann ein Whitepaper: einen wissenschaftlich fundierten Vorschlag, wie eine vollständige, ganzheitliche Bewertung der Umweltverträglichkeit von Fahrzeugen aussehen müsste. Mit einem konsequenten Ansatz der Defossilierung können dabei deutlich größere Potenziale des Klimaschutzes erschlossen werden als mit der heute praktizierten Regulierungslogik. Das Projekt verbindet Ingenieur- und Naturwissenschaften mit Wirtschafts-, Politik- und Nachhaltigkeitsforschung, denn nur wer diese Perspektiven zusammenbringt, kann beurteilen, ob eine Regulierung tatsächlich das erreicht, was sie erreichen soll.
Projektleitung: Prof. Dr.-Ing. Johannes Fottner (fml/TUM) | Fachlicher Austausch: Prof. Dr. Magnus Fröhling (TUM Straubing), Prof. Dr. Tim Büthe (HfP/TUM) | Arbeitsergebnis: Whitepaper Juli 2026